Der Hamburger Gründerpreis 2026 hat wieder einmal gezeigt, wie vielfältig Unternehmertum in der Metropolregion Hamburg ist. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr MicroHarvest, die Willke Unternehmensgruppe und Michael R. Neumann.
Die initiiert von der Hamburger Sparkasse (Haspa) und dem Hamburger Abendblatt initiierte Auszeichnung wurde bereits zum 25. Mal vergeben und ehrt unternehmerische Initiative, Mut und Erfolg in den drei Kategorien Existenzgründer, Aufsteiger und Lebenswerk. Die Preise wurden im Rahmen einer Gala in der Fischauktionshalle überreicht. Laudatoren waren Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher, der Präsident der Handwerkskammer Hamburg Hjalmar Stemmann und der Chefredakteur des Hamburger Abendblatts Lars Haider. Haspa-Vorstandssprecher Dr. Harald Vogelsang betonte in seiner Begrüßung: „Ein gutes Gründungsklima entsteht nicht von selbst – es braucht Mut, Vorbilder und die Wertschätzung derer, die etwas wagen. Genau das leistet der Hamburger Gründerpreis seit 25 Jahren: Er macht unternehmerische Erfolge in Hamburg sichtbar und würdigt sie.“
Existenzgründer: MicroHarvest beschleunigt Proteinproduktion
Mit dem Preis in der Kategorie Existenzgründer wird das Hamburger BioTech-Scale-up MicroHarvest ausgezeichnet. MicroHarvest wurde 2021 von Katelijne Bekers, Luisa Cruz und Jonathan Roberz gegründet und stellt Protein mittels Biomasse-Fermentation her. Dabei nutzt das Unternehmen Mikroorganismen und Nebenströme aus der Agrar- und Lebensmittelindustrie, um ein Proteinpulver zu erzeugen, das ohne Tierhaltung auskommt. Das Prinzip ähnelt der Herstellung von Joghurt oder Bier – nur deutlich schneller: Das Verfahren liefert in nur 24 Stunden vom Rohstoff zum fertigen Protein und benötigt dabei einen Bruchteil des Wassers und der Fläche herkömmlicher Proteinherstellung. In Leuna (Sachsen-Anhalt) entsteht die erste Produktionsanlage im industriellen Maßstab, die bis Ende 2028 eine Kapazität von rund 15.000 Tonnen Protein pro Jahr erreichen soll. Aktuell wird das Protein von MicroHarvest in Futtermitteln für Fische, Hunde und Katzen eingesetzt; die Zulassung für den Einsatz in Lebensmitteln, etwa in Proteinriegeln, durch die EU steht noch aus. Der Markt für alternative Proteine bietet ein enormes Potenzial: Prognosen (BCG/Blue Horizon) gehen bis 2035 von einem Gesamtvolumen von 97 Millionen Tonnen alternativer Proteinquellen aus, ein bedeutender Anteil davon aus Fermentation.

Aufsteiger: Willke Unternehmensgruppe baut das Gleis der Zukunft
Der Preis in der Kategorie Aufsteiger geht an die Willke Unternehmensgruppe. Das Familienunternehmen aus Wittorf bei Lüneburg hat sich seit 1979 zum Komplettanbieter im Gleisbau entwickelt – heute geführt in zweiter Generation von Niklas und Moritz Willke. Unter einem Dach bündeln sich spezialisierte Gesellschaften für Planung und Vermessung, Gleisbau und Instandhaltung, Oberleitungsbau, Oberbauschweißtechnik, Gleissicherung, Eisenbahnlogistik sowie eine Werkstatt für Eisenbahntechnik. Mit aktuell rund 175 Mio. Euro Umsatz in Deutschland und über 600 Mitarbeitenden realisiert Willke Projekte bundesweit und in Europa – Infrastrukturarbeit, die im Alltag oft unsichtbar bleibt, aber Takte, Verbindungen und Mobilität zusammenhält.

Lebenswerk: Michael R. Neumann prägt den globalen Kaffeehandel
Mit dem Preis für das Lebenswerk wird Michael R. Neumann geehrt, Gründer der Neumann Kaffee Gruppe. 1934 legte sein Vater Hanns R. Neumann in Hamburg den Grundstein; ab den 1960er Jahren formte Michael R. Neumann daraus den weltweit führenden Rohkaffeehändler und -dienstleister mit heute über 3.300 Beschäftigten. Rund 50 Tochtergesellschaften in 28 Ländern begleiten die Lieferkette vom Ursprung über Transport und Lagerung bis zur Rösterei – und bieten Services rund um den internationalen Handel. 2004 zog sich Neumann aus dem operativen Geschäft zurück; später schied er auch aus Gesellschafterstellung und Gremien aus. 2005 gründete er die Hanns R. Neumann Stiftung, die sich für bessere Lebensbedingungen in Kaffeeanbaugebieten, Umwelt- und Naturschutz sowie Bildung und Integration von Jugendlichen einsetzt.

Warum das wichtig ist
Ein Abend, der nicht nur feiert, sondern Maßstäbe setzt: Der Hamburger Gründerpreis 2026 macht sichtbar, wer Wirtschaft in der Region voranbringt – heute und morgen.
Nach der Verleihung nutzten die rund 700 geladenen Gäste aus Wirtschaft Sport und Gesellschaft bei kühlen Getränken und kulinarischen Köstlichkeiten wie auf der Haut gebratenes Doradenfilet – das war sensationell – rosafarbenen Kalbsrücken, Sushi- und Pasta-Variationen die Gelegenheit zum regen Austausch über die Preisträger und die Hamburger Wirtschaft. Die Fischauktionshalle im Hafen bildete den passenden Rahmen für den gelungenen Gala-Abend.




Fotos: Haspa / Romanus Fuhrmann (3, Preisträger*innen), Kai Wehl (4)