Vor ein paar Jahren malte Vincent Mühlenbeck vor allem für sich. Heute hängen seine Werke in Galerien, er studiert an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und hat sich mit seinem unverwechselbaren Stil längst einen Namen gemacht. Angefangen hat alles in Klein Borstel.

Große Augen, markante Zähne und kräftige Farben – Vincent Mühlenbecks Bilder erkennt man sofort. Seine Gesichter wirken mal laut, mal nachdenklich, manchmal fast grotesk. Genau das macht sie spannend.

Als dieses Interview entstand, war Vincent Mühlenbeck gerade 19 Jahre alt und hatte sich erst kurz zuvor entschieden, den Weg als freier Künstler einzuschlagen. Inzwischen ist einiges passiert: Er studiert an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg, zeigte mehrere Einzelausstellungen in Düsseldorf und war unter anderem bei der Millerntor Gallery, der Kunsthalle Niendorf und dem Hamburger Kunstsalon vertreten. Auch seine Malerei hat sich weiterentwickelt. Neben Acryl verarbeitet er heute Materialien wie Modellierschaum, Textilien oder Nägel und verleiht seinen Bildern dadurch eine zusätzliche, plastische Ebene.

Schon als Kind war das Zeichnen sein ständiger Begleiter.

„Ich habe immer schon gemalt, meine Eltern haben Kisten voller Bilder von mir.“

Der entscheidende Moment kam jedoch erst später. Bei einem Besuch der FSG auf der Veddel wurde ihm klar, dass aus seiner Leidenschaft tatsächlich ein Beruf werden könnte.

„Ich war mir sicher, das auch so gut zu können und da wurde mir das erste Mal so richtig bewusst, dass malen und zeichnen ja ein richtiger Job ist. Ich habe mich noch am selben Abend hingesetzt, habe die ganze Nacht durchgezeichnet und gemalt.“

Von da an wurden seine Arbeiten größer, mutiger und farbiger.

Kunst, die keine Antworten vorgibt

Wer vor einem Bild von Vincent Mühlenbeck steht, sucht oft automatisch nach einer Geschichte. Für den Künstler selbst beginnt der Malprozess aber ganz anders.

„Ich habe eine Idee und male dann so lange bis das Bild dem entspricht, was ich im Kopf habe.“

Was seine Figuren erzählen, möchte er nicht festlegen.

„Jeder kann anschließend gerne selber etwas in die Bilder hineininterpretieren. Ich tue es nicht.“

Auch die comicartigen Wörter, die immer wieder in seinen Bildern auftauchen, seien bewusst offen.

„Jeder hat die Freiheit in meinen Bildern das zu sehen was sie oder er möchte.“

Diese Haltung zieht sich bis heute durch seine Arbeiten. Mühlenbeck beschreibt seinen Stil selbst als „expressionistischen Comic-Stil“. Seine Gesichter seien keine Porträts bestimmter Menschen, sondern Ausdruck seiner Gedanken. Dass seine Bilder dabei polarisieren können, gefällt ihm.

Die Nacht gehört der Malerei

Während andere schlafen, beginnt für Vincent Mühlenbeck oft der kreativste Teil des Tages.

„Ich male meistens nachts. Da kommt die Stadt zur Ruhe und es gibt keine Ablenkung. Ich kann voll in meine Kunst eintauchen.“

Sein Atelier befindet sich in einer ausgebauten Scheune nahe dem Alsterlauf. Das passt super, denn Ausgleich zum Malen und gedankliche Inspirationen findet Vincent beim Joggen. Meist durch das schöne Alstertal.

Das macht frei für neue Arbeiten. Die betstehen inzwischen oft aus dicken Farbschichten und ungewöhnlichen Materialien, wodurch sie fast reliefartig wirken.

Nachsatz

Was als nächtliche Zeichenstunden in Klein Borstel begann, hat sich in wenigen Jahren zu einer bemerkenswerten Künstlerlaufbahn entwickelt. Vincent Mühlenbeck zählt heute zu den spannendsten jungen Positionen der Hamburger Kunstszene. Und wer seine Bilder kennt, weiß: Sie wollen keine eindeutigen Antworten liefern. Viel lieber lassen sie Raum für eigene Gedanken.

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