Er war in einer Rockband, DJ in New York und hat sich dann auf internationalen Bühnen einen Namen als Tenor gemacht: Der US-amerikanische Opernsänger Jonathan Tetelman gibt am 22. Dezember sein Debüt in der Laeiszhalle – und bringt eine Menge weihnachtliche Magie mit. THIS sprach mit ihm über die Bedeutung von Oper und Weihnachten in krisenreichen Zeiten und verlost Karten für das Konzert.

Viele Menschen haben nur wenig Berührungspunkte mit der Oper. Warum sollten sie das deiner Meinung nach ändern?

Für mich war Oper immer etwas Besonderes. Als ich mit 18 Jahren in eine Vorstellung in der Metropolitan Opera in New York gegangen bin und die Ouvertüre begonnen hat, habe ich sofort Gänsehaut bekommen. Wie in der Kirche saßen all diese Menschen still in einem Raum und haben gemeinsam der Musik gelauscht. Die Oper schafft es, dass man sich auf besondere Weise mit anderen verbunden fühlt. Es ist ein überwältigendes Erlebnis, das einen wirklich mitreißen kann, wenn man sich darauf einlässt.
Außerdem ist es spannend zu sehen, wie in der Oper Gesellschaften verschmelzen. Man sieht dort Touristen, Geschäftsleute und Kunstschaffende – all diese unterschiedlichen Personen kommen zusammen. Oper ist wie ein Schmelztiegel kultureller Eleganz.

Obwohl dich klassische Musik schon seit deiner Kindheit interessiert, bist du in einer Rockband gewesen und hast sogar ein paar Jahre als DJ in New York gearbeitet. Klingt wie ein ungewöhnlicher Karrierestart für einen Opernsänger.

Du findest das ungewöhnlich? Ich habe das Gefühl, jeder Opernsänger will ein Rockstar sein (Lacht). Aber ehrlicherweise verlief mein Weg einfach nicht immer geradlinig. Meine Stimme hat sich nur sehr langsam entwickelt und ich bin etwas ungeduldig geworden. Ich wollte Musik machen und damit auftreten. Also habe ich erstmal andere Wege gefunden, um das auszuleben. Es waren wertvolle Erfahrungen, denn so konnte ich eine neue Seite der Musikindustrie kennenlernen. Was die meisten Musiker oft nicht wissen, ist, dass wir alle auch Unternehmer werden müssen. Wir müssen unsere Lebensläufe aufbauen und Auftritte und Zeitpläne organisieren. Im College wird einem nicht wirklich beigebracht, wie das geht.

Einige professionelle Musiker erzählen, dass sie nach der Arbeit die Stille genießen. Wie ist das bei dir?

Ich bin eigentlich immer von Musik umgeben. Ich habe zwei Töchter, die Musik genauso lieben wie ich. Sie mögen zwar klassische Musik, aber dann gibt es da eben auch all die Disney-Lieder…  Manchmal denke ich, ich kenne sie inzwischen besser als „La Bohème”. 


Jonathan Tetelman bei seinem Auftritt 2025 in der Elbphilharmonie. ©  Ulrich Perrey

Was denkst du, muss sich verändern, damit Oper für mehr Menschen zugänglich wird?

Das ist schwierig, denn die Aufgabe einer Oper ist nicht, dem Publikum zu gefallen. Es sollte als Kunstform eigenständig bestehen und wir sollten das respektieren. Dennoch muss man im unternehmerischen Sinne genug Menschen erreichen, damit sie auch zukünftig noch aufgeführt wird.
Ich denke, dass es am wichtigsten ist bei den Grundlagen anzufangen und jungen Kindern Oper verständlich nahezubringen. Gerade wir Amerikaner kommen im jungen Alter meist kaum mit Oper in Berührung. Ich weiß, dass das in Deutschland total anders ist. In der Bayerischen Staatsoper sehe ich immer wieder Grundschulkinder. Das ist wirklich wundervoll. Wenn das überall der Fall wäre, müssten wir uns wahrscheinlich nicht so viele Gedanken über das Publikum machen.

Im Dezember gibst du dein Debüt in der Laeiszhalle. Ich habe gehört, du bist ein Fan von Hamburg. Was gefällt dir hier?

Hamburg ist wie keine andere Stadt in Deutschland, ich mag den Charme und das Flair. Sie hat ein bisschen von allem. Außerdem gibt es hier tolle Orchester und Konzerthäuser. Ich nehme Hamburg als sehr kunstbeflissen wahr und habe mich hier auf Anhieb wohlgefühlt.

Was erwartet uns bei deinem Auftritt?

Das Programm ist ein Mix aus Weihnachtsklassikern, die jeder kennt wie „O Tannenbaum“, „Stille Nacht“ und „White Christmas“ und geistlichen Arien wie „Panis Angelicus“ und „Ave Maria“. Aber das Spannendste am Konzert ist gar nicht das Repertoire. Es sind vielmehr die Arrangements, die wir extra für Tenor, Violine, Klavier und einen Kinderchor erarbeiten. Wir werden die Stücke so arrangieren, dass sie die Talente aller Beteiligten und die verschiedenen Klangfarben der Instrumente hervorheben. Trotz seiner Intensität und Feierlichkeit wird der Abend sehr intim.

Wie ist es für dich, ein eigenes Programm zusammenzustellen?

Ich mache das schon seit einer Weile und konnte mich glücklicherweise mit zunehmender Erfahrung verbessern.
Für mich ist die Erstellung eines Programms eine Kunst für sich. Es kann darüber entscheiden, ob ein Auftritt scheitert oder gelingt. Ich musste gut recherchieren, mich ausprobieren und Fehler machen, um zu erkennen, was als Programm funktioniert und überzeugt. Man kann nicht einfach das vorführen, was man will. Bestenfalls entsteht das Gefühl, dass die Zeit nur so verflogen ist. Das sind die besten Auftritte, wenn der Abend plötzlich endet und man sich fragt: „Waren das wirklich zweieinhalb Stunden?“

Und was bedeutet dir Weihnachten in diesen krisenreichen Zeiten?

Weihnachten ist ein Moment, an dem wir die Menschen um uns wertschätzen und Zeit mit denen verbringen können, die uns viel bedeuten. In Amerika ist es vorrangig eine christliche Tradition, die in Schulen stark zelebriert wird. Obwohl ich als Kind jüdisch erzogen wurde, habe ich diese festliche Zeit also miterlebt, unter anderem an der „American Boy Choir School”. Dort haben wir ein Weihnachtskonzert gegeben, bei dem alle 80 Jungs der Schule in einem Auditorium in Princeton gesungen haben. Es waren fast nur die Familien der Kinder im Publikum. Hunderte Menschen waren da, um ihren Kindern zuzuhören, den Geist der Weihnacht zu spüren und diese magische Zeit zusammen zu verbringen. Ich zeige bei meinem Konzert sogar ein Stück aus dem Repertoire mit dem Kinderchor in Hamburg.

Musst du danach direkt wieder abreisen?

Ich möchte meine Familie für das Konzert einfliegen lassen und hier ein Haus mieten, damit wir Weihnachten zusammen verbringen können. So haben wir die Gelegenheit, die Stadt, die Weihnachtsmärkte und all die Musik noch etwas länger zu genießen. lm

TIPP und VERLOSUNG:

WAS: Christmas Concert – Festliche Arien & Lieder mit Klavier
WANN: 22. Dezember, Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr
WO: Laeiszhalle, Großer Saal. Karten ab 19€.

Mehr Infos und Tickets gibt es HIER

Wir verlosen exklusiv 3×2 Karten der besten Kategorie für das Konzert. Wer mitmachen will, sendet bis zum 29.11.2026 eine E-Mail mit dem Stichwort „Oper“ an redaktion@alster-net.de

Teilnahmebedingungen: Die Teilnahme erfolgt über die an uns gemailte E-Mail. Teilnahmeberechtigt sind Personen ab 18 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland. Mitarbeitende des Magazin Verlag Hamburg und der effektreich group sind vom Gewinnspiel ausgeschlossen. Der/Die Gewinner*in wird per Zufallsprinzip ermittelt und auf eine Gästeliste/Abendkasse gesetzt. Namen und Adressen werden nicht gespeichert oder weitergegeben. Das Gewinnspiel endet am 29.11.2026, um 23.59 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung nicht möglich.

Aufmacherfoto: War schon in Hamburg und freut sich, wieder bei uns singen zu können: Opernstar Jonathan Tetelman. ©  Jonathan Tetelman

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