Das Multitalent Dr. Julia Kretschmer-Wachsmann erschafft mit ihrer Firma „Astrella Productions“ immersive Erlebnisformate im Full-Dome- und Planetariumskontext.

Du bist Regisseurin, Autorin, ausgebildete Sopranistin und hast eine eigene Produktionsfirma gegründet. Was treibt dich an, immer wieder etwas Neues auszuprobieren?
Mich interessiert weniger die Wiederholung als die Suche nach neuen Erfahrungsräumen. Kunst beginnt für mich dort, wo etwas lebendig bleibt – und das entsteht oft genau dann, wenn man sich aus seiner Komfortzone herausbewegt.
Was hat dich an immersiven Erlebnisformaten so begeistert?
Mich fasziniert, dass immersive Räume Menschen nicht nur zuschauen lassen, sondern sie emotional mitten in eine Geschichte hineinnehmen. Im Dome verschmelzen Musik, Bild, Raum und Narration zu einer gemeinsamen Erfahrung – das eröffnet völlig neue Möglichkeiten des Erzählens.
Was hat dich bei der Gründung von Astrella besonders geprägt?
Die größte Herausforderung war wahrscheinlich, künstlerische Vision und unternehmerische Realität miteinander zu verbinden. Gerade als Produzentin in einem technologisch geprägten Umfeld braucht es Ausdauer, Vertrauen in die eigene Perspektive und die Bereitschaft, ungewöhnliche Wege zu gehen.
Gab es Momente, in denen du an deinem Weg gezweifelt hast?
Natürlich gab es diese Momente – besonders in Phasen, in denen vieles gleichzeitig getragen werden musste: unsere vier Kinder, meine Kunst und das Unternehmertum. Geholfen hat mir immer die Erfahrung, dass Geschichten und Musik Menschen wirklich berühren können. Diese Verbindung ist für mich der stärkste Antrieb.
Du arbeitest in einem Umfeld, das sehr technisch geprägt und noch immer männlich dominiert ist. Hat sich die Branche in den letzten Jahren verändert?
Die Branche ist nach wie vor stark technik-orientiert, aber ich nehme wahr, dass narrative und emotionale Perspektiven zunehmend wichtiger werden. Ich glaube, dass gerade weibliche Perspektiven im immersiven Erzählen enorm viel beitragen können – weil sie oft stärker von Beziehung, Atmosphäre und emotionaler Orientierung und Intelligenz ausgehen.
Du vermittelst Wissen mit emotionalen und märchenhaften Erzählwelten – wird Emotionalität, Intuition oder Fantasie in diesem Kontext zu sehr unterschätzt?
Absolut. Menschen verstehen komplexe Zusammenhänge oft nicht zuerst rational, sondern emotional. Märchen, Musik und Fantasie schaffen einen inneren Zugang – sie wecken Staunen, Neugier und Empathie. Gerade darin liegt für mich eine große Kraft von Kunst und Wissensvermittlung.
Wie möchtest du deine immersiven Formate in Zukunft weiterentwickeln?
Mich interessieren immersive Formate, die Menschen nicht überwältigen, sondern verbinden. Ich möchte Geschichten erzählen, die Wissenschaft, Menschlichkeit und emotionale Tiefe zusammenbringen – Geschichten, die uns helfen, unseren Platz in der Schöpfung bewusster und in Verantwortung wahrzunehmen.
Redakteurin: Luca Mohr