„Kleinigkeiten, die das Herz berühren“, lautet die freie Übersetzung des chinesischen Klassikers Dim Sum. Die besten gibt es im Dim Sum Haus in St. Georg – Deutschlands ältestes China-Restaurant. Das führen in dritter Generation die Harvestehuder Mary-Ann und Dennis Kwong. Seit kurzem hat das aus vielen TV-Sendungen bekannte Unternehmerpaar, das auch über eine eigene Feinkostmarke verfügt, eine der coolsten Weinkarten der Stadt.
Die umfasst 99 Positionen, vom Hauswein für 32 € bis zum internationalen Spitzengewächs für über 1.700 €. Was in Metropolen wie New York, London, Shanghai und Hongkong bei manchen gehobenen chinesischen Restaurants üblich ist, dürfte für ein chinesisches Restaurant in Deutschland wohl einzigartig sein.

„Als ich vor 16 Jahren in das Dim Sum Haus meiner Eltern eingestiegen bin, gab es eine kleine, recht lieblose Weinkarte. Meine Eltern hatten die Weine einfach aus dem Katalog unseres Lebensmittelgroßhändlers mitbestellt. Ich habe das Angebot zunächst um zwei Hausweine nach meinem Geschmack erweitert. Die beiden Dim Sum Haus Edition-Hausweine aus der Pfalz haben sich sehr gut etabliert und sind inzwischen auch in der Stadt bekannt. Ich dachte damals, das ist halt so bei einem Chinesen. Vor zehn Jahren bin ich dann zu einer privaten Weinrunde namens AMICI gestoßen, kam mit anderen Weinfreunden in Kontakt und habe schnell gemerkt, was Wein alles kann und wie komplex das Thema ist“, erklärt Dennis Kwong.
Kein Wunder, waren dort doch unter anderem Master-Sommelier Hendrik Thoma, Winebank-Inhaber Sven F. Crone, Weinhändler Michael Kutej und Oliver Buschberg Mitglied. Mit ihnen philosophierte der Wahl-Harvestehuder über Weine im Allgemeinen und seine Weinkarte. Solange, bis sich alle hinsetzten und 99 Positionen aussuchten, die zur Küche passen.
„Unser Ziel ist es, chinesisch-kantonesische Kochkunst stärker mit anspruchsvoller Weinkultur zu verbinden“, sagt Kwong. Vorgestellt wurde die neue Weinkarte im Rahmen eines exklusiven Wine & Dine mit den Weinexperten Kutej und Crone, die sie den Gästen, darunter auch Dim Sum Haus-Fan Sascha, erklärten. Zu den Highlights des Abends gehörten ein Meursault von Antoine Jobard, ein Burgunder von Domaine Michel Noëllat sowie der chinesische Spitzenwein Ao Yun.

Dass es soweit kommen konnte, war nicht abzusehen, denn wie bei so vielen anderen Familienbetrieben auch, wollte Dennis Kwong das Restaurant seiner Eltern nicht übernehmen. Dabei hat es eine einmalige Geschichte, denn es hat bereits 1964 eröffnet und gilt damit als ältestes noch bestehendes China-Restaurant Deutschlands. Seit 1967 war Kwongs Opa dort als Chefkoch angestellt, bevor sein Sohn Jack es 1978 übernahm und später an seinen Sohn Dennis weitergab. „Ich bin quasi im Restaurant aufgewachsen“, sagt Dennis Kwong lächelnd. Er entschied sich aber trotzdem für eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten mit anschließendem BWL-Studium und arbeitete jahrelang in der Kunststoff-Recyclingbranche. Als seine Eltern nach rund 50 Jahren in den Ruhestand gehen wollten und das Ende drohte, stieg er mit seiner Frau Mary-Ann, ebenfalls BWLerin und ehemals Unternehmensberaterin, in das Restaurant ein.
„Es war eine Zeit, in der der Ruf der China-Restaurants in Deutschland ruiniert war – man hat sie mit großen ‚All-you-can-eat‘-Buffets und China-Imbissen sowie mit einer Geiz-ist-geil-Mentalität verbunden“, sagte Mary-Ann Kwong. „Wir wollten aber eine andere Facette der authentischen chinesischen Küche in Deutschland zeigen: wie viel Handwerk und Qualität in traditionellem chinesischen Essen steckt – vor allem in Klassikern wie handgefertigten Dim Sum und der legendären Peking-ente, die mehrere Tage Vorbereitungszeit benötigt. Wie schon zu Zeiten von Opa Kwong arbeiten wir seit Jahrzehnten mit mehreren spezialisierten chinesischen Köchen zusammen, denn die Herstellung ist sehr aufwändig und erfordert jahrelange Übung. Wir haben uns als Brückenbauer dieser kulinarischen Hochkultur gesehen und das stets auch nach außen so kommuniziert.“

Das Konzept ging so gut auf, dass das Restaurant weit über Hamburg hinaus bekannt ist, nicht nur für seine gut 40 Dim Sum-Arten, sondern für die gesamte erstklassige Küche. „Wir haben einen besonderen Ort geschaffen, einen Kult-Chinesen mit einem bunt gemischten Publikum quer durch alle Gesellschaftsschichten“, erzählen die beiden. „Bei uns treffen sich Nachbarn aus St. Georg, asiatische Familien, Geschäftsleute zu Closing-Dinners, internationale Gäste und Touristen. Auch Frau Kühne kam schon mit Chauffeurservice vom Hotel The Fontenay zu uns. Schauspieler wie Moritz Bleibtreu, Komiker wie Otto Waalkes, Musiker wie Sido und DJs wie Solomun zählen ebenso zu unseren Stammgästen.“ Sogar Sterneköche wie Kevin Fehling und Tim Raue kommen regelmäßig. „Das ehrt und freut uns natürlich besonders. Bei uns findet jeder etwas, das ihm kulinarisch zusagt. Und mit der neuen Weinkarte können wir unsere Gäste jetzt auch beim Wein noch besser verwöhnen.“
Richtig durch die Decke ging die Bekanntheit – und zwar bundesweit! – dann aber durch Auftritte in Kochsendungen wie „Mein Lokal, Dein Lokal“, „Kitchen Impossible“, „Mälzer und Henssler liefern ab!“ und „Die Höhle der Löwen“. Dort waren die beiden mit ihrer Feinkostmarke MARY KWONG erfolgreich, die sie während der Corona-Zeit entwickelt haben. Neben Dumplings, Saucen sowie weiteren authentischen chinesischen Spezialitäten ist deren Highlight das Herzstück des Dim Sum Hauses: die berühmte Pekingente – allerdings als Kochbox für zu Hause. Sie ist deutschlandweit im ausgewählten Einzelhandel und über den Onlineshop www.marykwong.de bestellbar oder direkt im Dim Sum Haus zur Abholung erhältlich.

Wer die Pekingente lieber dort essen möchte, muss sie – und das ist wirklich sensationell – nicht vorbestellen. „Viele Menschen können sich das nicht vorstellen, aber wir haben sie immer vorrätig“, erklären die beiden stolz. Nicht das Einzige, was die beiden auszeichnet. Es ist neben Authentizität und Qualität der Küche vor allem auch der Mut, neue Wege zu gehen. So hat Dennis Kwong beispielsweise mit seinem Geschäftspartner Marcel Stut in der Schanze das Restaurant „Batu Noodle Society“ eröffnet. Schwerpunkt sind Dumplings und Nudeln, „mit traditionellen Anleihen an die chinesische Küche, aber modern und kreativ interpretiert“, so Kwong. Das kommt dank der hochwertigen Zutaten und des stylischen Restaurants mit ein wenig China, Shabby Chic und Design gut an.
Gleiches gilt für die neueste Unternehmung: UZWEI Deli, gemeinsam mit UNGER und der Familie Braun. Im Rahmen eines Shop-in-Shop-Konzepts werden, etwa in der Kaisergalerie, Dumplings und weitere frisch zubereitete chinesische Gerichte angeboten. Mary-Ann und Dennis Kwong ist es gelungen, die chinesische Küche in die Moderne zu holen und neu zu interpretieren, ohne dabei die Tradition aus den Augen zu verlieren. Respekt!
Mehr Infos: www.marykwong.de & www.dimsumhaus.de
Fotos: © Felix Kumih / Mary Kwong Food GmbH