In ihrem neuen Kochbuch „Meine griechische Dorfküche“ lädt Elissavet Patrikiou mit Rezepten, Fotos und texten ein, ins „echte“ Griechenland einzutauchen. vom Essen, den Geschichten der Frauen aus dem Dorf und ihren eigenen Erinnerungen – das Buch ist ein Erlebnis für alle sinne. wir durften mehr erfahren.

 

THIS: Eli, welches Essen weckt sofort Erinnerungen bei Dir?

Elissavet Patrikiou Die frisch gebackene Spinatpita meiner Mama. Dieser Duft und dann das erste warme Stück. Glück pur! Und wilder Oregano und Basilikum, die bei uns im Dorf wachsen und mich so sehr an meine Kindheit erinnern.

 

Für dein Buch hast du mit dem halben Dorf gekocht – was war der schönste Moment während deiner Recherche?

Es gab so viele! Die Produktion dieses Buches hat insgesamt 2 Jahre gedauert. Das ist eine sehr intensive Zeit, die man dann zusammen verbringt. Ich erinnere mich gerne an den Moment zurück, als sich die Frauen auf dem Feld getroffen haben, um gemeinsam Wasa-Brot zu backen – auf offenem Feuer. Wir haben gemeinsam gegessen, gesungen und getanzt…

 

Wann hast du eigentlich das erste Mal gekocht?

Mit 12 Jahren, habe ich angefangen zu kochen. Meine Mutter war alleinerziehend und es war anders gar nicht möglich. Ich habe es aber auch sehr geliebt – denn das waren die Momente, die wir gemeinsam hatten: das Essen. Kein Wunder, dass ich jetzt Kochbücher schreibe. (lacht)

Wie wichtig ist das gemeinschaftliche Essen in der griechischen Kultur?

Es bedeutet fast alles! Sein Essen mit anderen zu teilen, sich Zeit zu nehmen für die Familie und Freund*innen: das ist dort das Leben. Mit einem guten Essen und Zeit kann man anderen seine Liebe und Wertschätzung zeigen. Das würde ich mir hier in Deutschland auch noch mehr wünschen.

 

Und welche Rolle spielen Jahreszeiten und regionale Zutaten in der griechischen Küche?

Eine sehr große. Die Menschen im Dorf bauen ihr Gemüse und Obst noch selbst an. Und genau so wird dann auch gekocht: nach den Jahreszeiten und mit dem, was man eingelegt und fermentiert hat. Meine Mutter ist 83 Jahre alt und ich bin der festen Überzeugung, dass sie genau das auch so fit hält – gutes Essen, Bewegung und Licht.

 

Gibt es eine griechische Zutat oder ein Gewürz, das in keiner Küche fehlen sollte?

Definitiv Oregano! Eines der wichtigsten Gewürze in der griechischen Küche. Aber auch Lorbeer wird oft verwendet. Generell wird mit sehr wenigen Gewürzen gekocht. Der „Star“ ist immer das Produkt, das man gerade kocht.

 

Du bist nicht nur Autorin, sondern auch Food- und Reportage-Fotografin. Wie beeinflusst dein fotografischer Blick deine Arbeit und deinen Bezug zum Essen?

Sehr viel von meinen Arbeiten, auch in den Reportagen, haben einen Bezug zum Essen. Ich liebe es, Geschichten von spannenden Menschen zu erzählen. Egal ob Sterneküche oder „Dorfküche“. Das hat für mich den gleichen Stellenwert. Ich liebe ein gut gekochtes Gericht – aber noch wichtiger sind mir die Menschen und Geschichten dahinter.

 

Und wie schaffst du es, diese Geschichten so präzise in deinen Bildern einzufangen?

Ich mache nie nur ein Bild vom Essen. Die Köch*innen dahinter und die Atmosphäre in dem Moment spielen dabei immer eine elementare Rolle. Und so verbinde ich alles miteinander. Oft auch mit Worten. Wenn mir die Menschen vertrauen und loslassen – erst dann hab ich einen guten Job gemacht. Das ist das beste Gefühl überhaupt.

 

Du beschreibst dein Dorf als einen Ort, an dem die Zeit stehen geblieben ist. Was macht diesen Ort so besonders für Dich?

An diesem Ort habe ich alle meine Sommer verbracht, quasi von Geburt an. Und wenn ich da bin, fühlt es sich auch immer noch wie früher an. Dort bin ich immer noch „Kind“. Vieles ist unverändert und die Menschen sind dankbar mit dem, was sie haben. Das liebe ich sehr. Denn dort reflektiere ich auch immer wieder, was wirklich wichtig ist im Leben.

 

Und wie fühlt sich Hamburg für dich an?

Hamburg ist für mich der erste Ort in Deutschland, an dem ich mich tatsächlich Zuhause fühle. Und das schon seit über 20 Jahren. Ich mag die Vielfalt hier und dass es sich lebt, wie in einem großen Dorf.

 

Magst du teilen, was dir deine Familiengeschichte und Lebenserfahrung besonders gelehrt hat?

Je mehr Vielfalt beim Essen – Menschen, Sprachen und Kulturen -, umso reicher ist der Tisch, an dem man sitzt. Das wünsche ich mir: mehr Miteinander. Dass wir gemeinschaftlich das Essen und die eigene Geschichte teilen – mit Respekt und Herz.

 

 

Rote-Bete-Salat mit Bulgur und Feta

 

ZUTATEN FÜR 4 PERSONEN

600 g Rote Bete

300 g mittelgrober Bulgur

Salz

1 Zwiebel

6 EL Olivenöl

3 EL Rotweinessig

400 g Feta

glatte Petersilie zum Dekorieren

 

Zubereitung:

Den Backofen auf 200 °C vorheizen.

Die Rote Bete waschen und den Strunk und die Blätter abschneiden. In eine ofenfeste Form mit Deckel geben und ca.

1 Stunde backen, bis sie gar sind. Abkühlen lassen, schälen und in mundgerechte Würfel schneiden. Während die Rote Bete gart, kann man den Bulgur zubereiten. Zuerst den Bulgur in ein feines Sieb geben und gründlich waschen. Einen Topf mit 600 ml Salzwasser zum Kochen bringen und den Bulgur darin 10 Minuten bei kleiner Hitze köcheln lassen. Dann mit einem Küchentuch abdecken, den Deckel auflegen und 15 Minuten stehen lassen. In der Zwischenzeit die Zwiebel schälen und in Streifen schneiden und zu den Rote-Bete-Würfeln geben. Das Olivenöl und den Rotweinessig verrühren, salzen und mit dem Rote-Bete-Zwiebel-Mix vermischen. Dann abdecken und mindestens 15 Minuten ziehen lassen. Zum Anrichten zuerst den Bulgur in eine große Schüssel füllen oder auf mehreren Tellern verteilen. Jetzt den Rote-Bete-Salat darauf verteilen und den Feta darüberbröseln. Mit der Petersilie garnieren und servieren.

 

 

Feigen mit Myzithra aus dem Ofen

SIKA ME MYZITHRA STO FOURNO

Das ist eines der liebsten Essen von meiner Mutter Anastasia – mit ihren eigenen Feigen aus dem Garten. Es ist im Nu gezaubert und steht duftend auf dem Tisch. Es ist eine perfekte Komposition aus knusprig-cremig und salzig-süß: eine Geschmacksexplosion! Ein Glas Wein und einen grünen Salat dazu – und genießen, am besten noch warm aus dem Ofen!

 

FÜR 1 SPRINGFORM MIT CA. 26 CM DURCHMESSER

  1. 50 ml Olivenöl + etwas mehr für das Einfetten der Backform

6 Blätter Filoteig (ca. 150 g)

FÜR DEN BELAG

6 frische Feigen

150 g Myzithra (Weichkäse)

½ EL frischer Thymian,

gehackt

Salz

 

Die Feigen waschen, den Stielansatz entfernen und halbieren. Die Form gleichmäßig mit Olivenöl bepinseln. 1 Filoteigblatt darauflegen, mit Olivenöl bepinseln, ein zweites Blatt versetzt darauflegen und wieder mit Olivenöl bepinseln – genauso mit den weiteren Blättern verfahren. Zum Schluss den Rand etwas einschlagen, sodass die Enden nicht mehr überstehen. Den Rand auch noch mal mit Olivenöl bepinseln.

Den Myzithra gleichmäßig darauf verteilen und den Thymian darüberstreuen. Etwas salzen, aber vorsichtig: den Käse vorher kosten, damit es nicht zu salzig wird!

Die Feigenhälften mit der Schnittfläche nach oben darauf verteilen. Bei 180 °C ca. 20 Minuten im Backofen backen, bis der Rand des Filoteigs goldbraun ist.

Etwas auskühlen lassen und lauwarm genießen.

 

TIPPS!

  • Myzithra gibt es in griechischen Läden zu kaufen oder auch online. Alternativ dazu kann man auch Ricotta nehmen, am besten mit etwas Ziegenfrischkäse gemischt.
  • Perfekt dazu: Honig! Thymianhonig passt besonders gut. Einfach darüberträufeln oder auf den Tisch stellen, sodass sich jeder selbst nehmen kann.

 

 

Kritharaki mit Tomatensoße und Oliven

KRITHARAKI ME SALTSA NTOMATAS KE ELIES

 

Kritharaki sind kleine Nudeln in Reisform aus Hartweizengrieß und gehören zu den wohl beliebtesten Nudelsorten in Griechenland. Sie werden gerne im Ofen zubereitet oder für Suppen und Eintöpfe verwendet. In diesem Rezept werden sie mit einer würzigen Tomatensoße und Oliven serviert. Wer keine Oliven mag, kann sie auch weglassen, aber es wäre schade um die besondere Note, die dieses Essen dadurch bekommt! Wie die Griechen sagen würden: »Ein Leben ohne Oliven ist möglich, aber sinnlos!«

 

FÜR 4 PERSONEN

1 Zwiebel

2 Knoblauchzehen

6 EL Olivenöl

1 EL Tomatenmark

1 Dose Tomaten (400 g), gehackt

50 ml Rotwein

200 g Oliven, ohne Stein (z. B. Kalamata-Oliven)

¼ TL getrockneter Oregano und etwas mehr zum Bestreuen

1 Prise Zucker

¼ TL Chiliflocken, süß oder scharf (nach Geschmack)

Salz

frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

400 g Kritharaki (griechische Nudeln aus Hartweizengrieß)

 

Zuerst die Tomatensoße zubereiten. Dazu die Zwiebel und die Knoblauchzehen abziehen und klein würfeln.

Das Olivenöl in einem Topf erhitzen und die Zwiebel darin glasig anschwitzen. Das Tomatenmark hinzugeben und kurz anrösten lassen. Mit den Tomaten und dem Rotwein ablöschen und umrühren. Die Oliven, Knoblauchzehen, Oregano, Zucker und Chiliflocken hinzufügen. Mit Salz und Pfeffer würzen.

Ca. 30 Minuten bei kleiner Hitze köcheln lassen, bis die Soße schön sämig ist. Bei Bedarf noch etwas Flüssigkeit dazugeben. In der Zwischenzeit einen Topf mit Salzwasser zum Kochen bringen und die Kritharaki darin nach Packungsanweisung al dente kochen, dann über einem Sieb abseihen.

Die Kritharaki mit einem Teil der Tomatensoße vermischen, auf Tellern anrichten und die restliche Soße darauf verteilen. Zum Schluss noch mit etwas Oregano bestreuen und gleich genießen!

 

TIPPS!

  • Wer mag, kann zum Schluss noch zerbröselten Feta darüberstreuen.
  • Dieses Kritharaki-Gericht ist auch eine wunderbare Beilage zu Fleisch oder Grillgemüse!

 

 

Buchtipp:

Schon als Kind verbrachte Elissavet Patrikiou alle Sommerferien im 500-Seelen-Dorf ihrer Mutter Anastasia in den Bergen. Für dieses Buch hat das halbe Dorf sie mit Rezepten versorgt, gekocht, lauthals diskutiert, welches das bessere ist und sie haben gemeinsam gegessen und getanzt.

Elissavet Patrikiou, Meine griechische Dorfküche, Südwest Verlag, geb., 240 Seiten, 26 Euro

 

Alle Fotos: © Elissavet Patrikiou

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